Mündigkeit als Bürgerpflicht – Gstanzl-Kurs mit Sebastian Daller am GGM

 (Artikel aus der Hallertauer Zeitung von Erwin Fiesel, November 2012)

 

Der renommierte Musik-Kabarettist Sebastian Daller, zurzeit Lehrer am GGM, ließ sich auf Bitte der 10d nicht lange lumpen, und bot den engagierten Schülern in einem dreistündigen Projekt einen Gstanzl-Crashkurs an, wobei einige „griabige“ Ergebnisse gelangen: Satire vom Feinsten!

 

 

Das Gstanzl als urbayerisches Phänomen gliederte sich dabei als „humoristischer Aphorismus auf das Zeitgeschehen“ nahtlos in die laufende Unterrichtssequenz zur Aufklärung ein, durch die die Schüler befähigt werden sollen, sich stets selbst ein Urteil zu bilden und die Gesellschaft kritisch mitzugestalten. Nach einem knappen historischen Abriss bezüglich der Liedgattung, deren Politisierung gerade einmal ein halbes Jahrhundert alt ist, kam Herr Daller schnell zur Praxis des Gstanzl-Schreibens und schon bald war das erste gemeinsam verfasste Gstanzl fertig:

 

Früher ware Schüler,

Hob über d’Lehrer glacht;

Owa eitzad bine selber

Auf der dunklen Seitn der Macht.

 

Nachdem die Schüler verinnerlicht hatten, dass beim Gstanzl die Form nebensächlich, die Pointe aber entscheidend ist, begannen sie mit Begeisterung, einzeln oder in Kleingruppen, zu dichten, wobei schnell klar wurde, wozu sie nicht länger schweigen wollten: Zum leidigen Thema G8 natürlich, zur Schuldenkrise, dem Organspende-Skandal oder der humanitären Katastrophe in Syrien; aber auch kernigere Probleme, wie etwa die Fast-Food-Manie der Jugendlichen und der ständig steigende Bierpreis auf Volksfesten, der die Schülerinnen mit ewiger Jungfernschaft bedroht, wurden humoristisch aufs Korn genommen. Das klingt - aus dem Mund von Martina Summerer, Theresa Senger und Laura Antonin - dann so:

 

Weil de Bierpreise imma deiriger wern,

Foh ma zu de Voiksfestl nimma so gern,

Weil niachtern, des is aso,

Find ma uns eh koan Mo.

 

Besonders jedoch trieb das Thema „Neonazis“ viele Schüler zu lautstarken Protesten, Alexander Mitscherlich und Georg Vogler urteilen beispielsweise darüber:

 

Höre von Hitler in Geschichte,

Könnt mir aus Schand die Kugel geben;

Doch die NPD zeigt,

Selbst nach dem Hirntod gibt’s noch Leben.

 

Eray Türkmen schließlich kokettierte hintergründig-satirisch mit seiner bayerischen Sozialisation, wenn er fordert:

Gruaffa san ma woan,

Jetzt sui ma wieda geh;

Des oanzige wosma meng,

Is mid eich Batzen lem.

 

Zum Schluss zeigte Herr Daller seine ganze Erfahrung als Gstanzl-Sänger, indem er die besten Ergebnisse - begleitet auf seiner Ziach - aus dem Stand einsang; besonders mutige Schüler versuchten dabei sogar mitzusingen. Bürgerpflicht kann Spaß machen!

 

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